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Gefiederfärbung >>

 
    Das Gefieder      
Das Gefieder und seine Federn          
 

Nur Vögel haben Federn. Diese sind somit wichtigstes Unterscheidungsmerkmal gegenüber anderer Tierklassen. Die fertig ausgebildete Feder ist ein totes Horngebilde.

Das Gefieder dient dem Körperschutz, zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur und ermöglicht das Fliegen.

Es hat somit für den Vogel eine sehr große Bedeutung. Das Gefieder unterliegt einer hohen Beanspruchung und muss daher vom Vogel laufend gepflegt werden. Die Gefiederpflege der Vögel können wir unterstützen, indem wir für Badewasser und natürliches Sonnenlicht sorgen.

Die Beeinflussung des Gefieders in Form und Farbe ist hauptsächlichstes Anliegen der Züchter von Farben- und Positurkanarien sowie Finkenmischlingen. Deshalb sind Kenntnisse über den Bau der Feder und der Funktion des Gefieders notwendig.

 
   
   
   
   
   
   
   
   
           
           
Der Federbau          
   

Uns Kanarienzüchter interessieren vorrangig die Konturfedern. Diese Federn prägen das farbliche Aussehen und die mehr oder weniger harmonische Form des Vogels ganz entscheidend.

Federn sind immer nach einem gleichen Schema aufgebaut - ähnlich einem Baum mit Wurzel, Stamm, Ästen und Zweigen. Bei Federn sind das: Spule, Schaft oder Kiel, Ast und Strahlen.

Federn können trotzdem recht unterschiedlich aussehen, da sie - je nach ihrer Funktion und Körperregion - unterschiedliche Funktionen erfüllen müssen.

Die Federn sind mit ihrer Spule ("Wurzel") in der Haut des Vogels verankert. Durch die in der Haut befindlichen Muskeln ist es den Vögeln möglich, die Federn innerhalb bestimmter Grenzen zu bewegen; z.B. das Gefieder sträuben.

Der Spule schließt sich der Federschaft, oder auch Federkiel genannt, ("Stamm") an. Er trägt die schmale äußere Federfahne und die breitere innere Federfahne. Die Federfahnen werden durch die Federäste ("Äste") und deren Federstrahlen ("Zweige") gebildet.

Die Federäste tragen beidseitig die Federstrahlen. Auf der einen Seite sind es die Bogenstrahlen, auf der anderen Seite die Hakenstrahlen.

Die Hakenstrahlen des einen Federastes haken sich mit ihren winzigen Häkchen an die Bogenstrahlen des benachbarten Federastes ein. Durch dieses ineinander haken wird die flächig geschlossene Federfahne gebildet. Haben sich durch äußere Einwirkung die Federäste und -strahlen getrennt, so schließen sie sich wieder - ähnlich einem Reißverschluss - wenn der Vogel beim Putzen die Federn durch den Schnabel zieht.

Die Äste und Strahlen der Dunen sind nicht miteinander verhakt. Dadurch bildet sich eine lufthaltige, lockere Federschicht unter den Konturfedern. Dieses Luftpolster ermöglicht die Wärmeregulation des Vogels.

Die einzige Hautdrüse des Kanarienvogels, die Bürzeldrüse, sondert ein Sekret ab, das der Vogel im Gefieder verteilt. So wird es Wasser abweisend und bleibt geschmeidig. Nach Schildmacher enthält das Bürzeldrüsenfett einen hohen Anteil Ergosterin, das durch die ultravioletten Sonnenstrahlen in Vitamin-D umgewandelt wird. Der Vogel könne wahrscheinlich so ganz oder teilweise seinen Vitamin-D-Bedarf decken. Voraussetzung dazu ist aber, dass die Vögel ausreichend ultraviolette Strahlung in Form von Sonnenlicht bekommt.

 
     
     
     
     
Federteile    
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
     
           
    Zum Feinaufbau der Federn siehe meinen Artikel
"Kanarienvogel-Federn - mikroskopische und chemische Untersuchungen"
 
           
           
Die Entwicklung der Feder          
   

Federn entwickeln sich durch Zellvermehrung der Ober- und Lederhaut.

Die Nestlingsdunen wachsen aus der gleichen Federanlage wie das später gebildete Gefieder.

Die Zylinderzellen wirken als Schutzschicht der empfindlichen Pulpa.

Ist die Feder fast vollständig entwickelt, trocknet die Pulpa ein und schrumpft zusammen. Die Ernährung der Feder ist nun nicht mehr möglich; sie ist ein totes Horngebilde geworden.

Federn bestehen aus Keratin, wie auch alle anderen Hautabkömmlinge (Schnabel, Krallen). Keratin ist chemisch und mechanisch äußerst widerstandsfähig und zudem noch sehr leicht.

Federn benötigen zu ihrem Aufbau demnach keinen Kalk, wie das so manche Vogelzüchter noch meinen. Vielmehr ist eine abwechslungsreiche Fütterung mit den verschiedenen Eiweißstoffen und Aminosäuren für eine gesunde Federbildung notwendig.

 
     
     
     
     
     
     
     
     
           
           
Die Mauser          
   

Die Mauser ist ein natürlicher Vorgang, ein in jedem Jahr notwendiger Wechsel der verschlissenen Federn. Diese Erneuerung des Gefieders beansprucht den Stoffwechsel des Vogels sehr.

Im ersten Lebensjahr findet die so genannte Kleinmauser statt, da nur das Kleingefieder gewechselt wird. In den darauf folgenden Jahren werden auch die Schwung- und Steuerfedern gewechselt.

Die Mauser beginnt auf der Brust, erstreckt sich dann über den Rücken bis zum Kopf. Sind auf dem Kopf keine Stoppeln mehr zu sehen, ist der Federwechsel beendet.

Die Mauserzeit der Kanarien beginnt im Juli, setzt sich im August verstärkt fort und endet spätestens im Oktober.

Bestes Futter, viel Bewegung an frischer Luft und Sonne sind den Vögeln sehr dienlich und fördern das schnelle Abmausern. In der Zeit des Federwechsels sollte man keine Vögel fangen oder anderweitig beunruhigen. Sie können dadurch schnell in die gefürchtete Stockmauser geraten.

Zur Förderung des Federaufbaues gibt man etwas mehr Glanz zum Körnerfutter. Dass die Feder Kalk zum Aufbau benötigt, ist irrig, da sie als Horngebilde hauptsächlich aus Eiweißen und Fettsäuren besteht. Trotzdem sollte man ständig Kalk anbieten, um eine gute Mineralstoffversorgung zu gewährleisten.

Um eine gleichmäßig rote Farbe bei rothaltigen Farbenkanarien auszubilden, werden heute fast ausschließlich synthetisch hergestellte Carotinoide verfüttert.

 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
           
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©  Norbert Schramm